Wie stärken Sie das Bildungssystem,

lautet die Frage des Tagblatts für die Ausgabe vom 23. Januar:

 

"Wir brauchen starke lokale Volksschulen, die das Vertrauen von Eltern und Steuerzahlenden geniessen und den Kindern ein anregendes Lernumfeld bieten. Dafür setze ich mich leidenschaftlich seit zehn Jahren ein. Die Schule vor Ort muss gestärkt und die überbordende kantonale Bildungsbürokratie reduziert werden. Interessierte Eltern, engagierte Elternräte, kompetente Lehrpersonen und führungsstarke Schulleitungen – unterstützt von einer lokal gut verankerten Behörde - sorgen für eine gute Schule.

 

Die aktuellen Bestrebungen für zusätzliche Untergymnasien finde ich problematisch: das ist die Kernkompetenz unserer lokalen Oberstufen. Anstatt an der Maturaquote zu schräubeln, würden wir viel besser alles daran setzen, dass den geeigneten Schülern/-innen keine Hürden – insbesondere finanzieller Art – in den Weg gelegt werden. Ansonsten bin ich ein Verfechter unseres dualen Systems mit Berufslehre.

 

Der Lehrplan21 ist ein Fortschritt. Alle Deutschschweizer Kantone haben die gleiche Grundlage. Den Luxus von 21 verschiedenen Lehrmitteln zum gleichen Thema werden wir uns eh nicht mehr leisten können. Genau diejenigen Kreise, die den Lehrplan kritisieren, sind erfahrungsgemäss bei Spardebatten am lautesten. Ich würde das Geld lieber in zukunftsträchtige Bildungsprojekte investieren. Lernen ist komplex. Unsere Kinder wachsen in einer immer komplexeren Welt auf und deshalb hinken Vergleiche mit früher. Es gibt noch viel, das wir diskutieren sollten. Lesen Sie weiter in meinem Blog über gelingende Frühförderung, Leistungsbeurteilung, Integration, Oberstufe, Sonderschule u.v.m."

 

 

Gelingende Frühförderung

Für viele Kinder ist es von grösster Wichtigkeit, dass sie bereits ab 3 Jahren in einer Spielgruppe gefördert und auf den Kindergarten vorbereitet werden. Wir haben in Rorschach einen Bildungsgutschein für alle Eltern mit einem dreijährigen Kind entwickelt, um dieses Angebot zu verankern. Mittlerweile nutzen mehr als 90 % diese wertvolle und wichtige Möglichkeit.

 

Leistungsbeurteilung

Noten begleiten Kinder ab der zweiten Klasse bis zum Ende ihrer Bildungskarriere. Glauben Sie nun ja nicht, es sei bei der Notengebung alles klar und ich warne ausdrücklich vor einer Überbetonung von Schulnoten. 

 

Integration

Eine integrative Schule sondert möglichst wenig Schüler aus und fördert alle möglichst in Regelklassen, die dann von zusätzlichem Personal unterstützt wird. Es ist ein schöner und guter Ansatz. Die Situation in Rorschach zeigt jedoch, dass es Schüler und Klassensituationen gibt, wo es separative Lösungen braucht.

 

 

Oberstufe

Das kantonale Oberstufenkonzept vom 2012 steht bereits wieder vor einer Überarbeitung, weil der Erziehungsrat diese Aufgabe mangelhaft und mit wenig Weitsicht erledigt hat. Für die lokalen Schulen ist das unbefriedigend.

 

Sonderschule

Aus Spargründen möchte der Kanton die Anzahl der Sonderschulplätze reduzieren, die Zuweisungsverfahren werden über den Schulpsychologischen Dienst standardisiert und Qualitätsgesichert. Das wird eine gehörige Herausforderung für alle Schulen werden.

 

 

Rorschach, 22. Januar 2016

Guido Etterlin

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