Der Aufschwung von Rorschach geht weiter mit neuen Akzenten

Interview mit Marino Walser, bodensee-nachrichten.ch

Herr Etterlin, bei den letzten Kantonsratswahlen hatte die SP 31.7 Prozent Wähleranteil und ist somit stärkste politische Kraft in Rorschach. Somit ist Ihre Wahl zum Stadtpräsidenten nur noch Formsache, oder?

Das Ergebnis bei den Kantonsratswahlen von 2016 war ein absolutes Glanzresultat. Die SP hat mit ihrem Wahlkampf und den vertretenen Themen die Menschen angesprochen. Wir werden versuchen, den Schwung von damals in den neuen Wahlkampf zu übernehmen. Es wäre sehr schön, wenn es für ein klares Ergebnis reichen würde.

Sie sind der Gegenkandidat von Robert Raths um das Amt des Stadtpräsidenten in Rorschach. Wie lange brauchten Sie, bis Sie persönlich den Entschluss gefasst haben, als Kandidat antreten zu wollen?

Ich betrachte mich nicht als Gegenkandidaten. Ich kandidiere, weil ich überzeugt bin, für Rorschach positives bewirken zu können. Rorschach ist eine lebhafte, vielfältige und sehr dicht besiedelte Stadt. Wir stehen mitten im Umbruch von einer Industriestadt in eine Wohn- und Arbeitsstadt. Das macht den Reiz aus. Ich möchte, dass sich hier lebende Menschen für unsere Stadt interessieren, sich engagieren und wohl fühlen. Dass eine Kandidatur für das Stadtpräsidium eine Option für mich sein könnte, ist seit längerem ein Thema. Entschieden habe ich mich vor ca. vier Wochen.

Als Stadtrat in Rorschach haben Sie bereits grosse Einsicht in die Geschehnisse in Rorschach. Im Moment ist Robert Raths aus Thal Ihr einziger Gegner. Wie gross schätzen Sie Ihre Chance ein, dass die Bevölkerung ein in Rorschach bekanntes Gesicht wählt?

Es würde mich wirklich freuen, wenn mir die Rorschacherinnen und Rorschacher ihr Vertrauen aussprechen würden. Aufgrund der Medienberichterstattung über die Kandidatur habe ich viele positive Rückmeldungen erhalten und an der Parteiversammlung wurde ich schliesslich einstimmig nominiert. Ich möchte die Zeit bis zum Wahlsonntag nutzen, damit mich die Rorschacher noch besser kennen lernen können.

Zudem sagten Sie, dass Sie die Kommunikation aus dem Rathaus verbessern wollen. Was stört Sie an der jetzigen Kommunikationsstrategie der Stadt Rorschach?

Ich möchte, dass sich die Menschen wieder stärker mit ihrer Wohnstadt auseinandersetzen. Dass sie verstehen, was und warum oder warum nicht im Rathaus geschieht. Die Kommunikation mit den Bürgern über die bisherigen Kanäle funktioniert immer schlechter. Der Konzentrationsprozess und der drastische Abbau in der Medienlandschaft stimmen mich nachdenklich. Nur wenn es uns gelingt, die hier lebenden Menschen am Gemeinwesen teilhaben zu lassen, können wir tragfähige Projekte entwickeln.

Sie sagten am Freitagabend, dass Rorschach in einem intensiven Wandel, was die Umgestaltung von Industrie zu Wohn- und Arbeitsraum angehe, stecke. Was meinen Sie damit und wie möchten Sie diese Tatsache angehen?

Rorschach ist ein wichtiger Arbeitsort. In den letzten Jahren hat Rorschach leider Arbeitsplätze verloren, während die Region und der ganze Kanton zulegten. Diese Entwicklung ist problematisch. Ich werde mich dafür einsetzen, dass wir die Rahmenbedingungen für Arbeitsplätze in der Stadt verbessern. Ich möchte nicht, dass Rorschach zu einer Schlafstadt wird.

Denken Sie, dass das Vorpreschen der FDP, ohne den runden Tisch mit der CVP aufzusuchen, von Vorteil für Sie und die Wahl des Stadtpräsidenten ist?

Die Stadtpräsidiumswahl ist eine Persönlichkeitswahl. Ich möchte die Rorschacherinnen und Rorschacher für meine Ideen gewinnen, ich möchte mit ihnen noch bessere Ideen für die Zukunft entwickeln. Es gibt genügend Herausforderungen. Alle sprechen beispielsweise von der alternden Gesellschaft. Wir müssen mit den betroffenen Generationen herausfinden, was sie brauchen werden, wie ihre Vorstellungen vom Wohnen im Alter aussehen. Nur die Diskussion über eine allfällige Errichtung eines Demenzgartens wird nicht reichen.

Sie sind Schulratspräsident. Was würde Ihre Wahl zum Stadtpräsidenten für dieses Amt bedeuten?

Beides könnte ich nicht machen. Das Amt des Schulratspräsidiums würde frei werden.

Auf Ihrem persönlichen Blog schreiben Sie, dass dieser zur Transparenz von zahlreichen Fragen diene. Eine Frage, welche Sie aber noch nicht beantwortet haben ist, wie Sie zum Autobahnanschluss stehen.

Oh doch! Am 27. Januar 2016 finden sie auf meinem Blog einen Beitrag. Ich stehe diesem Projekt sehr kritisch gegenüber. Alle Grossprojekte in der ganzen Schweiz hatten es in den vergangenen Jahren an der Urne sehr eng. Die Bevölkerung hat längst realisiert, dass diese neben Vorteilen immer auch gewaltige Nachteile mit sich bringen. Zudem nimmt der Verkehr mit dem weiteren Ausbau zusätzlich zu, weil er ja attraktiver wird. Und der Verkehr ist hausgemacht. Er löst sich nicht einfach in Luft auf. Für mich zählt aber eines: Die Behörden haben ihre Entscheide längst getroffen. Im November 2019 werden die Stimmbürger entscheiden. Ich werde mich dafür einsetzen, dass die Bürger sachlich und objektiv korrekt informiert werden, damit sie sich ein abgerundetes Bild machen können. Für den Fall, dass die Rorschacherinnen und Rorschach den Anschluss bejahen, müsste ich nach einer Wahl den Anschluss bauen… Das gebietet die Rechtsstaatlichkeit.

Vor einiger Zeit exponierten Sie sich anhand eines offenen Briefes gegen Thomas Müller. Damals ging es um «Gesunde Rassisten» und zwischen den Zeilen war zu lesen, dass Sie die Bilanz von Thomas Müller für dürftiger halten, als er selbst. Wären Sie auch zur Wahl angetreten, wenn Thomas Müller erneut kandidiert hätte?

Thomas Müller hat ursprünglich seinen Rücktritt auf Ende 2018 angekündigt. Ich glaube, die Zeit ist reif für einen Wechsel im Stadtpräsidium.

Thomas Müller wird besorgt sein, dass es einen Nachfolger in seinem Geist geben wird. Sie stehen für alles, was der Politik von Thomas Müller entgegen steht. Denken Sie, die Bevölkerung von Rorschach ist für eine 180-Grad-Wende bereit?

Der Entscheid über seine Nachfolge ist Sache der Stimmberechtigten. Ich stehe ein für eine lebendige und lebenswerte Stadt. Die positive Entwicklung von Rorschach werde ich unterstützen mit einem aktiven Einbezug der Bevölkerung: engagiertes Mitdenken, politische Diskussionen und ein wertschätzender Umgang über die Parteigrenzen hinaus.